Presseberichte Projekt Prisma, Heidelberg

Artikel UBI BENE 11/2013
UBI BENE - Lifestyle-Magazin der Metropolregion Rhein-Neckar
November 2013











Rhein-Neckar-Zeitung, 11. November 2006:

Erster Schritt zum Mehr-Generationen-Haus
Heidelberg. Ein Grundstück ist gefunden, Mitbewohner werden noch gesucht – "Wir sind keine Öko-Fuzzis"
Von Birgit Sommer

Anstelle dieser Häuserreihe in der Richard-Wagner-Straße in Handschuhsheim soll ein Mehr-Generationen-Haus mit 27 Wohnungen entstehen. In zwei Jahren könnte es bezugsfertig sein, Mitbewohner sind noch willkommen. Foto: Joe


Sie sind mutige Menschen auf der Suche nach neuen Lebensformen. Sie wollen ein gemeinschaftliches Wohnprojekt verwirklichen, das Generationen verbindet. Jetzt wurde der vier Jahre alte Heidelberger Verein Oase e.V. fündig, was das Grundstück angeht. In der Richard-Wagner-Straße in Handschuhsheim soll ein Gebäude mit 27 Wohnungen zwischen einem und sechs Zimmern entstehen. Wenn alles gut geht, können die Bewohner in zwei Jahren in das erste Heidelberger Mehr-Generationen-Haus einziehen.

 

"Wir wollen das volle Leben,", sagt der Betriebswirt Eckard Wolfin, der zu den Begründern des Projektes gehört und die Planungsgemeinschaft "Prisma" vertritt. "Wir sind kein Seniorenstift und kein Pflegeverein, bauen aber senioren- und behindertengerecht." Noch werden Mitbewohner gesucht, Familien vor allem für die großen Wohnungen, Singles, Inländer, Ausländer, männliche Senioren, auch eine studentische Wohngemeinschaft kann man sich vorstellen, wenn sich ein Investor dafür findet. 

 

"Wir wünschen uns Leute, die das Konzept toll finden und aktive Nachbarschaft leben wollen", sagt Wolfin. "Kinder werden im Hause spürbar und hörbar sein, aber unsere Senioren sollen durchaus ihr Mittagsnickerchen machen können, und auch die Nachbarn sollen ihre Ruhe haben." Konfliktfähigkeit ist jedenfalls eine Eigenschaft, die man sich von den Mitbewohnern wünscht. Und mit den Nachbarn in Handschuhsheim soll ein gutes Miteinander aufgebaut werden. 

 

Was anstelle der acht Reihenhäuser der GGH in der Richard-Wagner-Straße – fünf davon sind bereits leer – entstehen könnte, dafür hat Architekt Dimo Haith von der Stuttgarter "pro... Wohngenossenschaft" erste Pläne entwickelt. "Ein eher mediterran anmutendes Gebäude", findet Wolfin trotz der Größe und betont, dass es gegenüber der bisherigen Bebauung keinen wesentlichen Flächenmehrverbrauch geben werde. "Wir werden dafür sorgen, dass der Garten rundum grün wird mit vielen Bäumen als Klimaverbesserer." Die Wunschvorstellung muss noch mit Stadtplanungsamt und Baurechtsamt der Stadt abgestimmt werden. 

 

Auch der Gemeinderat wird gefragt sein bei dem Projekt, das von der Stadtverwaltung längst gutgeheißen wird und als "Leuchtturm-Projekt" für die Metropolregion im Bereich "Neues Wohnen im Alter" gemeldet wurde. Denn die Initiatoren des Mehrgenerationen-Projekts hoffen auf einen Zuschuss der Stadt in Höhe von 150 000 Euro für die Gemeinschaftsräume...

Info: Ein Informationsabend findet am Montag, 13. November, um 19.30 Uhr im Seniorenzentrum Bergheim, Kirchstraße 16, statt. Weitere Informationen unter Telefon 06221 / 3387433 und im Internet unter www.oase-heidelberg. de/wohnprojekt.html


Rhein-Neckar-Zeitung, 20. Januar 2006:

Ein Verein will ein Mehr-Generationenhaus in Handschuhsheim bauen lassen – OB Weber: Leuchtturmprojekt in der Metropolregion
Von Harald Berlinghof

Am Anfang waren es neun ältere Damen, die sich regelmäßig trafen und sich Gedanken machten ums Wohnen im Alter. Das war 1999. Alle hatten sie bereits die Altersgrenze von 60 überschritten. Doch „Wohnen im Alter“, das bedeutete für Edith Roosch und ihre acht Mitstreiterinnen nicht das „Ghetto eines Altersheims“ oder die Unterkunft in einer betreuten Wohnanlage. Die älteren Damen träumten mehr von einem Haus in dem Alt und Jung miteinander leben und in dem jeder bei gegenseitiger Hilfe seine Stärken einbringen kann. Ein Mehr-Generationen-Haus sollte es sein, eine Oase des gemeinschaftlichen Miteinanders der Generationen. Und mitten in Heidelberg sollte es stehen.

So könnte es funktionieren: Die allein erziehende, berufstätige Mutter hat eine Rentnerin als Nachbarin, die viel Zeit zur Verfügung hat und deshalb die zweijährige Tochter tagsüber gerne betreut. Dafür muss sich die Oma nicht mit den Lebensmitteln vom Einkaufsmarkt abschleppen, sondern bekommt sie nach Hause transportiert. So könnte das zukünftige Miteinander aussehen, meinen die neun Damen. Flugs wurde ein Verein gegründet, der sich „Oase“ nennt, was für „ offen, alternativ, selbstbestimmt, engagiert“ steht.

Jüngst benannte Oberbürgermeisterin Beate Weber das Projekt des Vereins, in Heidelberg ein Mehr-Generationen-Haus zu bauen, als Leuchturmprojekt innerhalb der Metropolregion Rhein-Neckar. Die OB sicherte dem Verein jede mögliche Unterstützung der Stadt zu. Allerdings soll das Grundstück, das sich die Vereinsmitglieder in Handschuhsheim ausgesucht hatten, doch recht teuer sein. Und der Projektentwickler, die Wohnbaugenossenschaft „Pro“ in Stuttgart, kann nur eine begrenzte Summe investieren, weil die späteren Miethöhen für die geförderten Wohnungen festgelegt und begrenzt sind. Weber sprach kürzlich öffentlich von einer Finanzierungslücke in Höhe von um die 80000 Euro. Der Verein erhofft sich allerdings Sponsoren, um dem „Traumstandort“ mit seiner barrierefreien Anbindung an Bus und Bahn und einer guten Infrastruktur mit kurzen Wegen zum Einkaufen doch noch verwirklichen zu können. Die Stuttgarter Wohnbaugenossenschaft „Pro“, die bereits einige Mehr-Generationen-Häuser im schwäbischen Raum erstellt hat, tritt als Projektentwickler auf und finanziert das Objekt zunächst teilweise.

Ein Teil der 20 bis 24 Wohnungen in dem Haus soll als Eigentumswohnungen von Mitglieder des Vereins finanziert werden. Ein zweiter Teil soll an Investoren verkauft werden, die die Wohnungen an Mitglieder des Vereins vermieten und ein dritter Teil soll als geförderter Wohnungsbau an Vereinsmitglieder mit Wohnberechtigungsschein vermietet werden. „Damit möchten wir neben einer guten Durchmischung der Bewohner aus verschiedenen Altersgruppen auch eine gute soziale Durchmischung erreichen“, versichert Heike Burkhard, wie Edith Roosch im Vorstand des Vereins aktiv. Das Haus soll offen sein für Menschen mit Behinderung und auch für Einwanderer. Voraussetzung ist allerdings die aktive Mitgliedschaft im Verein.

45 Mitglieder hat der Verein inzwischen, wovon gut 20 in der Arbeitsgruppe „Wohnen im Alter“ aktiv sind. Das Alter der Mitglieder reicht inzwischen von zwei bis 77 Jahre. Allerdings sind Männer im Verein noch Mangelware. Auch junge Familien, bevorzugt mit Kindern sind erwünscht. Schließlich sollen in dem dreieinhalbgeschossigen Haus auf dem 2000 Quadratmeter großen Grundstück Jung und Alt gleichermaßen vertreten sein.

Ein solches Projekt muss wachsen“, meint Heike Burkhard. „Es funktioniert nicht, ein solches Haus von der Stange zu bauen und dann Bewohner dafür zu suchen.“ Das Miteinander funktioniere nur, wenn sich die späteren Bewohner vorher zusammen gerauft haben. „Bei uns im Verein ist nicht immer alles Friede, Freude, Eierkuchen. Da wird auch manchmal hart diskutiert. Eine positive Streitkultur zu entwickeln, gehört dazu“, so Burkhard. Jeder im Verein wisse, was auf ihn später zukommt und mit wem er es zu tun hat.